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Warum Mehrweg?
Um den Workshop „Zero Waste Hero – werde Mehrwegheld*in“ durchzuführen, ist es hilfreich, einen Blick auf das Thema (Einweg-)Verpackungsmüll und Mehrweg zu werfen.
Gerade wenn wir mit SuS zu nachhaltigem Konsum, Abfallvermeidung oder alltagstauglichen Lösungen arbeiten, hilft ein klarer Überblick: Warum ist Einweg problematisch, welche Lösungen gibt es und wie lässt sich Mehrweg unkompliziert in den Alltag integrieren?
Genau dabei unterstützt dich dieses Kapitel. Es liefert dir Informationen zu Einweg und Verpackungsmüll in Deutschland sowie den rechtlichen und praktischen Hintergrund zu Mehrweg – kompakt, verständlich und direkt anschlussfähig für deinen Workshop. So hast du das nötige Wissen, um Verpackungsvermeidung nicht als Verzicht, sondern als konkrete, machbare Lösung zu vermitteln.
Gleichzeitig ist uns etwas ganz Entscheidendes wichtig: Als Workshopleitung musst du nicht alles vorher perfekt wissen. Der Workshop ist auch ein Raum, in dem du gemeinsam mit den SuS lernen kannst – zum Beispiel indem ihr zum ersten Mal „in echt“ testet, wie der Einkauf mit mitgebrachten Behältnissen funktioniert.
Übersicht
- Was bedeutet Bring your own?
- Einweg vs. Mehrweg
- Warum wollen wir Einwegverpackungen vermeiden?
- Mehrwegoptionen als mögliche Lösung
- Unser Recht auf Mehrweg
- Der Einkauf mit eigenem Behältnis
- FAQ für Workshopleitungen
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Einweg vs. Mehrweg
a) Einwegverpackungen:
Warum wollen wir diese vermeiden?
Wir starten ganz konkret mit ein paar Zahlen und Fakten rund um Verpackungen in Deutschland:
- Verpackungsmüll:
2021 fielen in Deutschland umgerechnet 237 kg Verpackungsmüll pro Kopf an.1 - Einwegverpackungen:
2023 wurden etwa 14,6 Milliarden Einwegverpackungen für Speisen und Getränke vertrieben – Tendenz steigend.2 - Essensboxen:
Jede Stunde werden in Deutschland 520 000 Essensboxen, Menüschalen und Pizzakartons für den Außer‑Haus-Konsum von Speisen verbraucht. Das entspricht einem jährlichen Verbrauch von 4,5 Milliarden Essensboxen.3 - Einwegbecher:
In Deutschland werden stündlich rund 320 000 Einwegbecher für Heißgetränke verbraucht, hiervon sind bis zu 140 000 Becher „to go“. Pro Jahr sind das fast drei Milliarden Einwegbecher.4
- Lebensdauer:
Einwegprodukte haben eine sehr kurze Lebensdauer. Ein Kaffeebecher landet nach durchschnittlich 15 Minuten im Müll oder in der Natur, was verheerende Folgen für die Umwelt und schlussendlich für uns Menschen hat.5
- Folgen für Flora und Fauna: Die Verschmutzung der Meere durch Abfalleintrag wurde mittlerweile selbst an der tiefsten Stelle der Ozeane nachgewiesen. Und die Verschmutzung setzt sich weiter fort. Zwischen 19 und 23 Tonnen Kunststoffmüll gelangen pro Jahr in die Meere. Das entspricht in etwa zwei LKW-Ladungen pro Minute.6, 7 Dies hat erhebliche, oft fatale Auswirkungen auf Flora und Fauna der Meere. Lebewesen verfangen sich in den Rückständen des Mülls oder verschlucken ihn.8 Zudem zersetzen sich die Kunststoffe über die Zeit zu Mikro- und Nanopartikeln, die Gewässer und Böden sowie den natürlichen CO2-Austausch durch Mikroorganismen qualitativ in Mitleidenschaft ziehen.9, 10
- Umweltfolgen der Produktion:
Abgesehen von den Folgen, die der Eintrag von insbesondere Kunststoffverpackungen in die Umwelt hat, verzehrt die Produktion von Einwegverpackungen materialübergreifend erhebliche Mengen an Ressourcen. Allein für die Produktion von Pappbechern in Deutschland sind etwa 17 500 Tonnen Papier nötig. Das kostet 26 000 Bäume das Leben. Zudem beansprucht die Produktion eines jeden Bechers bis zu zwei Liter Wasser. Hinzu kommen 1 000 Tonnen Polyethylen, da der Standard-Pappbecher zu fünf Prozent aus diesem Kunststoff besteht.11 Auch bei Kunststoffverpackungen gehen die Rohstoffgewinnung und -entsorgung mit Umweltbelastungen einher. So verursachten beispielsweise Produktion und Entsorgung von Kunststoff 2019 weltweit 1,8 Gigatonnen Treibhausgasemissionen – das sind etwa 3,4 Prozent aller globalen Emissionen.12
- Sparpotenzial durch Mehrweg: Um den Ressourcenverbrauch drastisch zu senken, ruhen die Hoffnungen auf dem Aspekt der Vermeidung, aber auch auf dem Einsatz und Ausbau von Mehrwegmodellen. Von beiden Optionen wird bisher zu wenig Gebrauch gemacht. Denn das Recycling allein wird die Ressourcenkrise nicht verringern. Mit einer stärkeren Ausbreitung von Mehrwegsystemen ließen sich Verpackungen mehrfach nutzen, bevor sie in das werkstoffliche Recycling gehen und die eingesetzten Materialien eine erneute Nutzung erfahren. In Deutschland ist das Potenzial mit Blick auf einen Materialstrom quantifiziert: Mit Vermeidung und Mehrweg ließen sich Kunststoffverpackungsabfälle bis 2040 um rund 30 Prozent reduzieren.13
Quellen
1 Statistisches Bundesamt (Destatis), Dez. 2023: Zahl der Woche Nr. 50
2 WWF, Feb. 2024: Mehrweg in der deutschen Gastronomie
3 Deutsche Umwelthilfe e. V., abgerufen am 01.06.2026: Problem Takeaway-Essensverpackungen
4 BMUKN, abgerufen am 01.06.2026: Wie viele Einweg-Becher werden jährlich verbraucht?
5 StMUV, abgerufen am 01.06.2026: Mehrweg ist der bessere Weg – auch bei „Coffee to go“!
6 WWF/Alfred-Wegener-Institut, Jan. 2022: Impacts of Plastic Pollution in the Oceans on Marine Species, Biodiversity and Ecosystems
7 WWF/Alfred-Wegener-Institut, Feb. 2022: Die „Plastifizierung“ des Ozeans
8 WWF, Nov. 2022: Towards a Treaty to End Plastic Pollution
9 Charlotte Edmond (WEF), Jan. 2022: We know plastic pollution is bad – but how exactly is it linked to climate change?
10 WWF, Juni 2020: Hintergrundpapier „Mikroplastik in der Umwelt“
11 Deutsche Umwelthilfe e. V., Feb. 2021: Umweltproblem „Coffee‑to‑go-Einwegbecher“
12 OECD, Feb. 2022: Global Plastics Outlook
13 WWF/SYSTEMIQ, Aug. 2021: Verpackungswende jetzt!
A (Infografik) Statista, Mai 2019: Einmal Plastikmüll to go, bitte
B (Infografik) Statista, Juni 2022: Plastikmüll bedrohlicher als Klimawandel?
C (Infografik) Statista, 2024: Kippen und Verpackungen statt makelloser Sandstrände
D (Infografik) WWF, Juni 2023: Faktenblatt „Mehrwegverpackungen“ (S. 4). Auch 6–13 wurden daraus zitiert.
B) Mehrwegoptionen
als mögliche Lösung
Mehrweg ist das Gegenstück zu Einweg und kann unterschiedliche Konzepte meinen, die individuelle Vorteile haben und je nach Situation prima ineinandergreifen:
Einerseits gibt es Mehrwegsysteme (seien es wiederverwendbare Schüsseln und Becher aus Poolsystemen externer Anbieter oder betriebseigene „Insellösungen“). Gerade für Spontaneinkäufe und Lieferdienste können diese richtig praktisch sein: So kann man sich beispielsweise für einen entspannten Spaziergang einen Kaffee im Mehrwegbecher holen, ihn währenddessen genießen und den Becher am Ende der Runde bei einem anderen Partnerbetrieb desselben Anbieters wieder abgeben.
Andererseits gibt es die mitgebrachten Behältnisse, also das Bring‑your-own-Prinzip: Kund*innen nutzen das, was sie schon haben (eigene Thermosbecher, Brotbeutel, Schraubgläser und sonstige Schätze aus dem Haushaltssammelsurium), und sind somit besonders ressourcenschonend* unterwegs. Einfach mit der Frischhaltedose zum Lebensmitteleinkauf oder in die Mittagspause aufbrechen – mehr Planung braucht es nicht, zumal die Behältnisse bloß zu Hause gespült und nicht wieder zurückgebracht werden müssen.
Um dem Bring‑your-own-Prinzip eine Stimme zu geben, haben wir die Initiative Einmal ohne, bitte gestartet. Unser Schulworkshop ist dabei ein Weg, das Einkaufen mit mitgebrachten Behältnissen sichtbar und erlebbar zu machen. Denn mit jedem Einkauf ohne Einwegverpackung leistest du einen großen Beitrag zur Müllvermeidung. Und je öfter die Lösungen genutzt werden, desto besser etablieren sie sich.
* Und was macht Einmal ohne, bitte zur ressourcenschonendsten Wahl?
Quellen
15 Zum Thema Abfallvermeidung alias „Precycling“ und Ressourceneffizienz siehe auch das Projekt „PuR“
16 Abfallhierarchie gemäß § 6 Kreislaufwirtschaftsgesetz und Art. 4 Abfallrahmenrichtlinie 2008/98/EG)
Kund*innen haben ein Recht auf Mehrweg
Seit 2023 gilt die Mehrwegangebotspflicht (§ 33 und § 34 Verpackungsgesetz): Wer Speisen in Einweg-Kunststoffverpackungen und Getränke in Einwegbechern verkauft, muss sie auch in Mehrwegbehältern ausgeben. Zudem besteht eine Hinweispflicht, d. h., das Mehrwegangebot muss sichtbar sein – z. B. durch einen Aushang an der Tür oder Theke. Die weiteren Spielregeln hängen von der Größe des jeweiligen Betriebs und der Anzahl seiner Mitarbeitenden ab:
Betriebe mit
max. 80 m2 Verkaufsfläche
und bis zu 5 Mitarbeitenden …
… müssen mitgebrachte Mehrwegbehältnisse von Kund*innen annehmen und befüllen.
Diese müssen sauber sein, bevor sie befüllt werden. Verschmutzte oder defekte Gefäße dürfen die Betriebe ablehnen.
Betriebe mit
über 80 m2 Verkaufsfläche
oder mehr als 5 Mitarbeitenden …
… müssen selbst Mehrwegverpackungen als Alternative anbieten.
Dazu können sie betriebseigene Gefäße verwenden oder sich einem existierenden Poolsystem anschließen. Mehrwegverpackungen von dem System, das sie anbieten, müssen sie auch wieder zurücknehmen.
Gut zu wissen:
Natürlich dürfen auch größere Betriebe mitgebrachte Behältnisse befüllen (und umgekehrt).
Auch viele, die noch nicht über Einmal ohne, bitte oder mit sonstigen Hinweisen darauf aufmerksam machen, sind gern dazu bereit – nachfragen lohnt sich also!
Übrigens:
- Mehrweg darf nicht mehr kosten als Einweg. Betriebe dürfen also keinen Rabatt auf Einweg geben! So entsteht den Kund*innen garantiert kein Nachteil: Denn auf vom Betrieb ausgegebene Gefäße kann zwar ein Pfand erhoben werden, dieses wird aber bei Rückgabe wieder erstattet. Und mitgebrachte Gefäße sind ohnehin nahezu kostenfrei, da Neuanschaffungen selten notwendig sind.
- Verstöße gegen die Mehrwegangebotspflicht kannst du an die zuständige Behörde melden. Näheres dazu hier.
Der Einkauf mit eigenem Behältnis
Nun wird es konkret: Wir erklären dir, wie ein Einkauf nach dem Bring‑your-own-Prinzip funktioniert – von der Bäckerei über die Frischetheke bis hin zu Take‑away-Bestellungen.
Wo ist das möglich?
Das Einkaufen ohne produkteigene Verpackung ist grundsätzlich überall dort möglich, wo Lebensmittel, Speisen und Getränke extra für dich abgefüllt werden, z. B. bei der Bäckerei, an der Frischetheke oder in deinem Lieblingsrestaurant. Frag einfach mal nach!
Und wenn du nach Inspiration suchst, halte unterwegs nach unseren Stickern und Aufstellern Ausschau oder wirf direkt mal einen Blick auf unsere interaktive Karte. Dort sind alle Betriebe aus Gastronomie und Lebensmitteleinzelhandel aufgeführt, die schon an Einmal ohne, bitte teilnehmen und somit deine mitgebrachten Behältnisse gern für dich befüllen!
Und wie geht das?
Spare unnötigen Verpackungsmüll, indem du beim Lebensmitteleinkauf Mehrwegbehälter mitbringst. Sag bei der Bestellung, dass du die Speisen oder Getränke in eigene Behältnisse füllen lassen möchtest.
Das brauchst du dafür: saubere, am besten verschließbare Becher, Boxen, Beutel, Wachstücher, Einmachgläser oder andere geeignete Behälter.
Entweder rein in den Sack …
Besonders Backwaren, aber auch Gemüse und Obst kannst du dir in einen Brotsack oder in Jutebeutel und Gemüsenetze einpacken lassen:
- Entweder du hältst der Bedienung den Sack entgegen und sie befüllt ihn für dich, indem sie die Ware hineinfallen lässt.
- Oder du nimmst die Ware mit der Hand entgegen und packst sie selbstständig in dein Behältnis.
… oder aufs Tablett und los!
Du bekommst Lebensmittel aus der Frischetheke oder deine Take-away-Bestellung über ein Tablett oder den Hygienebereich gereicht.
1. Nimm den Deckel ab und stell das offene Behältnis auf das Tablett oder in den entsprechenden Bereich.
2. Die Bedienung nimmt die Box mit Tablett hinter die Theke, befüllt sie und stellt sie anschließend wieder zurück.
3. Setz den Deckel wieder drauf, damit das Personal ggf. einen Bon aufkleben kann.
Wichtig:
Die Theke ist die Hygienebarriere. Damit keine Keime in den Lebensmittelbereich gelangen, wird dein Behältnis meist über einen separaten Bereich oder ein Tablett hinter die Theke genommen.
Das Verkaufspersonal soll nur so viel Kontakt wie nötig mit den mitgebrachten Behältnissen haben. Wenn möglich, nimm die Ware mit der Hand entgegen und pack sie selbstständig ein.
FAQ für Workshopleitungen
Teste dein Wissen!
Was ist Mehrweg?
Was bedeutet Bring your own?
Das Bring‑your‑own-Prinzip bedeutet, dass beim Einkauf eigene Behälter, Becher oder Beutel mitgebracht werden, um Lebensmittel oder Getränke einzufüllen und mitzunehmen.
Was ist rechtlich erlaubt, wenn eigene Behältnisse für den Einkauf oder Take-away-Bestellungen mitgebracht werden?
Wie läuft ein Einkauf mit Mehrwegbehältern praktisch ab?
- Nimm saubere Behältnisse mit ins Geschäft oder Lokal deiner Wahl.
- Bitte das Personal, das Produkt in dein mitgebrachtes Behältnis zu füllen.
- Zahle und erfreu dich an deinem großartigen Beitrag für die Umwelt.
- Nachdem du die Speise oder das Getränk aufgebraucht hast, musst du das Behältnis bloß noch zu Hause reinigen und schon ist es wieder einsatzbereit für deinen nächsten Einkauf.
Worauf muss das Verkaufspersonal achten?
Welche Hürden oder Unsicherheiten gibt es in der Praxis?
Weiterführende Quellen
Im aufklappbaren Menü oben haben wir schon zahlreiche Quellen zu den Zahlen und Fakten aufgeführt. Um dich weiter einzulesen, können wir darüber hinaus folgende Seiten empfehlen:
- WWF: Hallo Mehrweg! Tschüss Wegwerfgesellschaft!
- WWF-Akademie: Verpackungen im Alltag reduzieren – so geht’s!
- Deutsche Umwelthilfe e. V.: Mehrweg ist Klimaschutz