Weil deine Brotdose dein Thermosbecher dein Brotbeutel deine Lunchbox dein Einmachglas dein Wachstuch dein Jutebeutel deine Brotzeitbox dein Gemüsenetz deine Glasflasche die Welt retten kann

Wir haben ein Problem: 2021 fielen in Deutschland umgerechnet 237 kg Verpackungs­müll pro Kopf an.1 Und die Gastronomie hat einen großen Anteil daran, denn 2023 wurden etwa 14,6 Milliarden Einweg­verpackungen für Speisen und Getränke vertrieben – Tendenz steigend.2

Die gute Nachricht: Wir haben die Lösung parat und die ist günstig, hygienisch und alltags­tauglich. Die Rede ist von Mehrweg in seiner schönsten Form: Denn nichts versprüht größere Weltrettungs­vibes als deine Superheld*innen-Brotdose, die seit der Schulzeit im Küchen­schrank auf ihren großen Einsatz wartet – als klima­freundliche, ressourcen­schonende und sexy3 Alternative zu Einwegmüll. So wollen wir mit Einmal ohne, bitte den Trend gemeinsam umkehren – bist du dabei?

1 Statistisches Bundesamt (Destatis), Dez. 2023: Zahl der Woche Nr. 50
2 WWF, Feb. 2024: Mehrweg in der deutschen Gastronomie
3 „Klima­freundlich und ressourcen­schonend“ sagt die Deutsche Umwelt­hilfe e. V., 2025: Mehrweg. Mach mit! „Sexy“ sagen wir.

Kleiner Beitrag mit großer Wirkung

„Der (Mehr-)Weg“ kann in unterschiedliche Richtungen führen, die individuelle Vorteile haben und je nach Situation prima ineinander­greifen:
Grafik einer Abzweigung mit Behältnissen von Mehrwegsystemen links und eigenen Behältnissen rechts
Grafik mit Behältnissen von Mehrwegsystemen in Bunt
Einerseits gibt es Mehrwegsysteme (seien es wieder­verwendbare Schüsseln und Becher aus Pool­systemen externer Anbieter oder betriebs­eigene „Insel­lösungen“). Gerade für Spontan­einkäufe und Liefer­dienste können diese richtig praktisch sein: So kann man sich beispiels­weise für einen entspannten Spazier­gang einen Kaffee im Mehrweg­becher holen, ihn während­dessen genießen und den Becher am Ende der Runde bei einem anderen Partner­betrieb desselben Anbieters wieder abgeben.
Grafik mit mitgebrachten Behältnissen in Bunt

Andererseits gibt es die mitgebrachten Behältnisse, also das Prinzip „Einmal ohne, bitte“: Kund*innen nutzen das, was sie schon haben (eigene Thermos­becher, Brot­beutel, Schraub­gläser und sonstige Schätze aus dem Haushalts­sammelsurium), und sind somit besonders ressourcen­schonend* unterwegs. Einfach mit der Frischhalte­dose zum Lebensmittel­einkauf oder in die Mittags­pause aufbrechen – mehr Planung braucht es nicht, zumal die Behältnisse bloß zu Hause gespült und nicht wieder zurück­gebracht werden müssen.

Egal, auf welche Mehrweg­option die Wahl fällt: Mit jedem Ein- und Verkauf ohne Einweg­verpackung leistest du einen großen Beitrag zur Müll­vermeidung. Und je öfter die Lösungen genutzt werden, desto besser etablieren sie sich. Deshalb lohnt es sich für Betriebe, Mehrweg aktiv anzubieten, für Kund*innen, aktiv nachzufragen, für Kommunen, das Angebot aktiv zu fördern, und für Bildungs­kräfte, aktiv Handlungs­optionen aufzuzeigen. So machen wir mit vereinten Kräften Mehrweg in Gastronomie und Lebensmittel­einzelhandel zum neuen Standard und setzen der Einweg­flut ein Ende!

* Und was macht Einmal ohne, bitte zur ressourcen­schonendsten Wahl?

Grafik der Abfallhierarchie mit Vermeidung als oberste Priorität und Einordnung von „Einmal ohne, bitte“ und Mehrwegsystemen

In Deutschland und der EU hat Abfallvermeidung4 oberste Priorität in der sogenannten ​⇠ Abfallhierarchie.5 Dadurch dass sich in nahezu jedem Haushalt geeignete Behältnisse ansammeln, die immer wieder verwendet werden können, lassen sich Neu­anschaffungen und der damit verbundene Ressourcen­verbrauch vermeiden. Kurz: Besser geht’s nicht! Und genau das meinen wir damit, dass deine Brot­dose die Welt retten kann.

4 Zum Thema Abfall­vermeidung alias „Precycling“ und Ressourcen­effizienz siehe auch das Projekt „PuR“
5 Abfall­hierarchie gemäß § 6 Kreislauf­wirtschafts­gesetz und Art. 4 Abfall­rahmenrichtlinie 2008/98/EG)

Kund*innen haben ein Recht auf Mehrweg

Seit 2023 gilt die Mehrweg­angebots­pflicht (§ 60 und § 61 Verpackungs­recht-Durchführungs­gesetz): Wer Speisen in Einweg-Kunststoffverpackungen und Getränke in Einweg­bechern verkauft, muss sie auch in Mehrweg­behältern ausgeben. Zudem besteht eine Hinweispflicht, d. h., das Mehrweg­angebot muss sichtbar sein – z. B. durch einen Aushang an der Tür oder Theke. Die weiteren Spielregeln hängen von der Größe des jeweiligen Betriebs und der Anzahl seiner Mitarbeitenden ab:

Betriebe mit
max. 80 m2 Verkaufsfläche
und bis zu 5 Mitarbeitenden …

Umriss eines kleineren Gastronomiebetriebs in Gelb

… müssen mitgebrachte Mehrweg­behältnisse von Kund*innen annehmen und befüllen.

Diese müssen sauber sein, bevor sie befüllt werden. Verschmutzte oder defekte Gefäße dürfen die Betriebe ablehnen.

Betriebe mit
über 80 m2 Verkaufsfläche
oder mehr als 5 Mitarbeitenden …

Umriss eines größeren Gastronomiebetriebs in Blau

… müssen selbst Mehrweg­verpackungen als Alternative anbieten.

Dazu können sie betriebs­eigene Gefäße verwenden oder sich einem existierenden Pool­system anschließen. Mehrweg­verpackungen von dem System, das sie anbieten, müssen sie auch wieder zurücknehmen.

Gut zu wissen:

Natürlich dürfen auch größere Betriebe mitgebrachte Behältnisse befüllen (und umgekehrt). Auch viele, die noch nicht über Einmal ohne, bitte oder mit sonstigen Hinweisen darauf aufmerksam machen, sind gern dazu bereit – nachfragen lohnt sich also!

Bald gilt Einmal ohne, bitte offiziell überall!

Ab dem 12. Februar 2027 gilt die Mehrweg­angebots­pflicht für mit­gebrachte Behältnisse auch für große Betriebe und material­unabhängig (also nicht mehr nur für Kunst­stoff). Dann sind laut EU-Verpackungs­verordnung (Art. 32 PPWR) alle Letzt­vertreibenden von Take‑away-Speisen und -Getränken verpflichtet, Verbraucher*innen die Möglichkeit zu geben, eigene Behältnisse zu befüllen.

Übrigens:
  • Mehrweg darf nicht mehr kosten als Einweg. Betriebe dürfen also keinen Rabatt auf Einweg geben! So entsteht den Kund*innen garantiert kein Nachteil: Denn auf vom Betrieb ausgegebene Gefäße kann zwar ein Pfand erhoben werden, dieses wird aber bei Rückgabe wieder erstattet. Und mitgebrachte Gefäße sind ohnehin nahezu kostenfrei, da Neu­anschaffungen selten notwendig sind.
  • Verstöße gegen die Mehrweg­angebots­pflicht kannst du an die zuständige Behörde melden. Näheres dazu hier.